Bürgerdialog Ergebnisse der Projektarbeit 

Bauen im Bestand – ein Hochschulprojekt zum Bauen im Bestand im Rahmen des Masterstudiums an der Fakultät Architektur, TH Nürnberg GSO

 

Bauen im Bestand am Beispiel der Dorfscheune Poppenreuth (Arbeitspapier)

 

Hintergrund - Bürgerdialog Poppenreuth:

 

Der Bürgerdialog Poppenreuth wurde vom Verein Dorfgestaltung Poppenreuth e.V. ins Leben gerufen, um ungeplante städtebauliche Entwicklungen im Ortskern längerfristig zu verhindern.

Denn Investoren versuchen in Poppenreuth (wie in der Gesamtstadt auch) mit Hochdruck Bauland zu erwerben, um dieses gewinnbringend hochverdichtet mit „modernen Stadthäusern“ zu besetzen, ohne auf Ortstypologie und Historie Rücksicht zu nehmen. Der Verein hat somit berechtigterweise Angst, dass der historisch wertvolle Altort mit seinem Denkmalensemble überformt wird und seine Identität verliert.

So wird nun im Rahmen des Bürgerdialogs auf Initiative und Kosten der Dorfgestaltung e.V. in drei Arbeitskreisen mit Poppenreuther Bürgerinnen und Bürgern an den Themen „Ortsbild und –entwicklung“, „Verkehr und öffentlicher Raum“ sowie „Nutzungskonzept Dorfscheune“ gearbeitet mit dem Ziel der Stadt Fürth Handlungsempfehlungen für die weitere Ortsentwicklung, u.a. eingebunden in einen städtebaulichen Rahmenplan, zu überreichen.

 

Ausgangssituation Dorfscheune:

 

Die Dorfscheune liegt an der Kreuzung Poppenreuther Straße / Steinfeldweg im Fürther Ortsteil Poppenreuth. Ursprünglich gehörte der erdgeschossige Satteldachbau in Fachwerk mit massiver Westseite in Sandstein und erneuertem Ziegelsteingiebel aus dem 18. Jh. zu einem Gehöft der Poppenreuther Straße, befindet sich heute aber losgelöst vom ehemaligen Hof im Eigentum der Stadt. Es ist ein Einzeldenkmal im Ensemblebereich des Ortskerns Poppenreuth. Für Sanierungsarbeiten an der Gebäudehülle wurden vom Stadtrat bereits Mittel bewilligt, um die Standsicherheit zu verbessern. Für einen möglichen Innenausbau gibt es bisher keine Finanzierung, diese soll aber nach Vorlage eines Nutzungskonzeptes durch den Dorfgestaltungsverein Poppenreuth e.V. von Seiten der Stadt geprüft werden.

 

Ziele zur Neunutzung der Dorfscheune:

 

Für die Scheune sollen Nutzungskonzepte untersucht werden, die von unterschiedlichen Ausbaustandards ausgehen. Die Scheune steht unter Denkmalschutz in der jetzt vorhandenen Substanz, sprich auch unter dem Aspekt einer untergeordneten typischen Lagernutzung z.B. für landwirtschaftliche Produkte (Getreide, Heu etc.). Neben der reinen Speichernutzung haben Scheunen immer auch zur Unterbringung von Geräten, kleinen Werkstätten etc. gedient. Manchmal waren auch Ställe mit untergebracht, wobei diese Nutzung (Behausung von Tieren) in einer echten „Scheuer“ oder „Stadel“ eine eher untergeordnete Rolle spielte.

Ziel eines neuen Nutzungskonzeptes soll es folglich sein in die bestehende Substanz so wenig, wie möglich einzugreifen, ja im Gegenteil sich Nutzungen zu überlegen, die die vorhandene Eigenart des Gebäudes herauskehrt und an ehemalige Nutzungen anknüpft. Bei allen Nutzungsüberlegungen sollte daher von einem Implementieren evtl. sogar reversibler Strukturen ausgegangen werden.

 

Das Auseinandersetzen mit einfachen Konstruktionen, der Einsatz von natürlichen, kostengünstigen Materialien bis hin zum „upcycling“ sollten bei der Instandsetzung der Scheune eine Rolle spielen. Damit könnte beispielhaft auch aufgezeigt werden, wie einfache, nutzlos gewordene landwirtschaftliche Nebengebäude unter wirtschaftlichen Aspekten dauerhaft erhalten werden könnten. Nicht der große wertschöpfende wirtschaftliche Gewinn sollte bei den Nutzungsideen im Vordergrund stehen sondern der Erhalt und auch der Wert dieses Dorfelementes für das heutige Ortsbild. (z.B. Darstellung was wäre, wenn die Scheune fehlt?)

 

Deshalb sollten für die Poppenreuther Scheune auch Nutzungen angedacht werden, die einen kulturellen, sozialen Gewinn für die Stadt Fürth und Poppenreuth darstellen könnten. Temporäre Veranstaltungen, Ausstellungen, Experimentelles, das Gebäude als Schulungsobjekt evtl. auch temporäres Wohnen (Heuhotel?) könnten Ausgangspunkt für die Ideenfindung sein. Das Umfeld der Scheune mit Veränderung des öffentlichen Straßenraums soll mit einbezogen werden.

 

 

 

 

Tischvorlage zum Pressegespräch 12.Mai 2017 12:30h in Poppenreuth 

 

1) Zitat aus der Beschlussvorlage für den Bau- und Werkausschusses 3.4.2017

Projektbericht Bürgerdialog Poppenreuth

Beschlussvorschlag: Keine Beschlussfassung, nur Kenntnisnahme
Finanzierung: Finanzielle Auswirkungen Nein
Beschluss zurück an Referat V

 

2) Stellungnahme des Vereins Dorfgestaltung Poppenreuth e.V. (Änderung)
Wir finden die Beschlussvorlage, die Tatsache, dass keine inhaltliche Vorstellung im Ausschuss stattfand und den darauf folgenden Beschluss ausgesprochen enttäuschend, da er wenig Interesse verspüren lässt. Wenn 70-150 Bürgerinnen und Bürger mehr als ein Jahr lang für das Gesicht der Stadt Fürth gearbeitet haben und der Verein Dorfgestaltung dafür bis jetzt 25.000 € ausgegeben hat, wünschte man sich eine substantiellere Würdigung von Bürgerbeteiligung in Fürth.

Nichtsdestotrotz besteht die Hoffnung, dass von Seiten der Stadtverwaltung an unseren Vorschlägen noch weiter gearbeitet wird. Der Verein Dorfgestaltung macht jedenfalls einen Vorschlag, unterteilt in kurz- und mittelfristige Maßnahmen. Wir beziehen uns dabei auf den Abschlussbericht vom 24.3.2017 und nennen nur die wichtigsten Maßnahmen.

 

Kurzfristig (2017):

1. Bebauungsplan für den Bereich Glockenstraße

2. Fußgängerübergang an der Hans-Böcklerstraße zwischen Rewe und Aldi, notfalls zunächst als mobile Verkehrsinsel
3. Sanierung der Außenhülle der Dorfscheune bis zur Poppenreuther Kärwa am 2.9.2017 incl. Bretterböden im EG, Stromanschluss und Verschließbarkeit

4. Umfeldgestaltung der Dorfscheune: Freilegung vom Bewuchs, Konzept für die Verkehrsführung unter Einbeziehung der Bewohner und des Gewerbebetriebs Fa. Ehmann

5. Temporäre Nutzung der Scheune in Zusammenarbeit von Stadt und Dorfgestaltung

6. Verkehrszählung in Poppenreuth

7. Durchsetzung von Tempo 30 in Poppenreuth, u.a größere Hinweisschilder, Bodenmarkierungen und häufigere Geschwindigkeitskontrollen


Mittelfristig (2017-2021):

1. Niederschwelliger Ausbau der Dorfscheune für eine Nutzung zunächst in den Sommermonaten, später ganzjährig

2. Modernisierungsgutachten und Finanzierungsplan unter Einbeziehung des Denkmalsschutzes und der Dorferneuerung

3. Neue Verkehrsführung in der Poppenreuther Straße und im Steinfeldweg u.a. Öffnung der Wilhelm-Hoegner-Str. und Sperrung des Steinfeldwegs, Fußgängerbereich im Teilstück der Poppenreuther Straße gegenüber der Dorfscheune, Verlegung der Bushaltestelle

4. Straßenverengungen im Ort zur Reduzierung des Durchgangs- und Schleichverkehrs

5. Erhaltungssatzung im Ortskern (Vorschlag liegt vor)

6. Beschluss eines Städtebaulichen Rahmenplans (Entwurf liegt bereits vor)

7. Gestaltungsfibel für Umbauten

8. Gezielte Förderung der Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude im Ortskern als Alternative zum Abriss
9. Dauerhaftes Freihalten von Sichtachsen und Ausweisung von Entwicklungsflächen in Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg (agrarstrukturelles Gutachten)

 

 

3. Appell
Der Verein Dorfgestaltung e.V. und die am Dorfdialog beteiligten Bürger (ca. 1/3 Nichtmitglieder) rufen OB Dr. Jung und die Fraktionen des Stadtrats Fürth dazu auf, die Umsetzung der von den Bürgern erarbeiteten Gestaltungskonzepte umzusetzen und einen Zeitplan zu erstellen. Der Verein und die Bürgerschaft werden gern dabei mitwirken.

 

Unser Verein bietet für Groß und Klein, Jung und Alt ein breitgefächertes Angebot. Dank unserer verschiedenen Abteilungen ist garantiert für jeden das Richtige dabei.

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